
Galilei und der Saturn
Galilei erschienen die Planeten erstmals nicht als Lichtpunkte, sondern als kleine Kugeln - vollkommen rund und "wie mit dem Zirkel gezogen". Doch der Anblick des Saturn, des damals fernsten bekannten Planeten, verwirrte ihn. In der römischen Mythologie war Saturn ein alter, gestürzter Gott, der den Menschen einst das Goldene Zeitalter gebracht haben soll.
Im Teleskop schienen zwei kleinere, kugelige Gestalten die Planetenkugel an beiden Seiten zu berühren. Es war Galileo, als müsste sich der "Alte" auf zwei Diener stützen. Was Galilei nicht wusste: Diese beiden "Bediensteten" waren nichts anderes die hell anmutenden, seitlichen Teile eines Saturnrings.
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Zu seinem Entsetzen verschwanden die beiden Begleiter zeitweilig. Über den Grund dieses merkwürdigen Phänomens wollte sich Galilei nicht recht äußern, vorgeblich aus Angst, eine etwaige Interpretation später wieder zurücknehmen zu müssen. |
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Doch er ahnte: Noch herrschten Zweifel an der Zuverlässigkeit des Fernrohrs. Zeigte es Phänomene, die bald wieder verschwanden, würden Kritiker auch die anderen damit gewonnenen Beobachtungen in Frage stellen. Heute wissen wir: 1612 blickte Galilei ausgerechnet auf die feine Kante des Ringgebildes - weshalb es praktisch unsichtbar wurde. | | |
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Saturn selbst beobachten
Am irdischen Himmel glänzt Saturn jetzt mit hellem, ruhigen Schein im Sternbild der Jungfrau. Den größten Glanz erreichte er um den 22. März, als uns 1,3 Milliarden km von ihm trennten. Die Erde steht zur Zeit recht knapp nördlich der Ringebene. Das weite, aber überaus schmale Ringgebilde erscheint uns daher nur wenig geöffnet.
Entsprechend schwer fällt es jetzt, die weitgehend materiefreie Cassini-Teilung im Ring auszumachen. Der Schatten des Rings auf der Planetenkugel entzieht sich wohl dem Blick; er liegt nahe der Ringkante. Dennoch hebt sich der Ring von der Planetenkugel ab! Zunehmend leichter fällt es in den nächsten Wochen, den Schatten der Planetenkugel auf der östlichen Ringseite zu erkennen.

Weil der Ring jetzt kaum stört, können wir uns dem Planeten selbst widmen. Zunächst wird die starke Abplattung Saturns offenbar. Sie entsteht durch die rasche Rotation des Gasplaneten, der am Äquator immerhin 120 536 km misst. Das ist das 9,4-fache des Erddurchmessers.

| | | Ein Tag dauert auf Saturn aber bloß 10,5 Stunden. Auch die Wolkenstrukturen stehen mit der rasanten Umdrehungsgeschwindigkeit in Zusammenhang. Sie treten nun deutlicher hervor. |
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Am auffälligsten sind die beiden Bänder beiderseits des Äquators und die ebenfalls dunkleren Polgebiete.
 | | | Schon kleine Instrumente zeigen den Riesenmond Titan (Foto links). Je nach Fernrohrleistung gesellen sich zunächst die Trabanten Japetus und Rhea, dann auch Dione und Tethys hinzu. |
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Für den sehr interessanten Mond Enceladus sind normalerweise Geräte um 30 cm Durchmesser nötig. Doch die geringe Ringöffnung hilft auch hier. Vielleicht erhaschen Sie einen Blick auf ihn.
Dione, Rhea, Tethys und (rechts von Saturn) sogar Enceladus tauchen auf diesem schon recht verrauschtem Webcam-Foto auf - trotz starker Luftunruhe. Oben zum Vergleich eine Simulation mit Guide 8.0 | | |  |
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Auch hier ist Saturn völlig überbelichtet. Doch dafür treten fünf seiner Monde hervor, Japetus inklusive.
Nehmen Sie Saturns leicht gelbliche Tönung mit freiem Auge wahr ? Lässt Sie diese an den Mythos vom "Goldenen" Zeitalter denken ? Bringt ein Fernglas die Farbe besser zur Geltung ? Wie viel Vergrößerung ist im kleinen Teleskop nötig, um Saturns seltsame Form zu erahnen, die Galilei so verwirrte. Wie stark müssen Sie vergrößern, um die Ringe klar zu erkennen ? Können Sie den Schatten Saturns auf seinem Ring nachweisen ? Sehen Sie Saturns Abplattung ?

| | | Bemerken Sie Details, vielleicht sogar Farbschattierungen auf der Planetenkugel, speziell mit größeren Teleskopen ? Erspähen Sie auch Saturns Riesenmond Titan im Fernrohr ? Besitzt sein Lichtpünktchen einen pastellhaften Farbton ? Machen Sie weitere Monde aus ?
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Folgenreiche Erkenntnisse
 | | | Mein Buch Helden des Himmels geht sehr ausführlich auf die philosophischen und religiösen Implikationen der Galileischen Beobachtungen ein.Ich lege es Ihnen ganz besonders ans Herz. |
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