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Galilei, Kepler und der Mars

Galilei richtete sein Teleskop natürlich auch auf Mars. Doch mit seinem nur schwach vergrößernden Teleskop konnte er auf dem kleinen Scheibchen keine Details erkennen. Italienische Jesuiten sahen später mit besseren Teleskopen diffuse Flecken. Giovanni Cassini und Christiaan Huygens nutzten die matten Schattierungen, um die Taglänge auf Mars zu bestimmen. Cassini kam auf knapp 25 Stunden. 1672 sahen beide in Paris ein weißes Gebilde im tiefsten Süden des Planeten - die Südpolkappe.

Später sollte Cassinis Neffe Giacomo Maraldi auch die nördliche Polkappe studieren.

Links: Mars im kleinen Fernrohr. Foto (c) Pinter

Noch bevor das Fernrohr erfunden war, widmete sich Johannes Kepler dem Mars. Der Däne Tycho Brahe hatte ihn beschworen, gerade diesen Planeten als Prüfstein für die wahre Kosmologie zu wählen. Brahe wollte damit sein eigenes Modell beweisen. Doch Kepler hatte andere Pläne: Mars sollte dem Kopernikanismus zum Siegeszug verhelfen!

Die berechnete Bahn dieses Planeten wich besonders stark von seinem sichtbaren Lauf am Himmel ab. Selbst nach Kopernikus. Das liegt, wie wir heute wissen, am stark elliptischen Charakter des Orbits. Von Merkur abgesehen, weicht keine Planetenbahn so sehr von der idealen Kreisform ab.

Tatsächlich erkannte Kepler 1606 am Beispiel des Mars, dass Planeten eben nicht auf Kreisen, sondern auf Ellipsen um die Sonne ziehen. Diese Erkenntnis wurde später als das erste keplersche Gesetz berühmt.

Die Verbindungslinie Mars-Sonne überstrich dabei, trotz variierender Sonnendistanz, in gleichen Zeiträumen gleiche Flächen: Dies gilt heute als das zweite keplersche Gesetz.

Kepler veröffentlichte beide Entdeckungen 1609 in seinem Buch Astronomia Nova. Darin verglich er seine Arbeit mit einem mühevollen Feldzug gegen den antiken Kriegsgott Mars, den er dem Kaiser nun endlich als hochedlen Gefangenen präsentieren könne. Mars wurde ja bereits in der Antike mit Krieg, Feuer und Blut verquickt - und zwar seiner leicht rötlichen Tönung wegen. Die wiederum geht, wie wir heute wissen, auf Eisenoxide im Marsboden zurück.

Mars selbst beobachten

Ende Jänner strahlte Mars besonders kräftig. Die Erde überholte ihn auf engerer Bahn um die Sonne, der Marsabstand sank auf ein relatives Minimum. Leider gähnen zwischen uns und dem roten Planeten derzeit mehr als 100 Mio. km. Deshalb bleibt er im Teleskop ein bedrückend winziges Scheibchen, auf dem sich nur schwer Oberflächendetails erkennen lassen. Um ihn im Fernrohr unter einem ähnlichen Winkel zu sehen, wie den Vollmond mit freiem Auge, müssen Sie nun mindestens 180-fach vergrößern - und dabei vergrößern Sie leider auch die kleinste Luftunruhe mit.

Am ehesten fällt die nördliche Polkappe auf, die sich langsam zurückzieht; das Eis verdampft. Vielleicht erkennen Sie auch dunkle Schattierungen auf der Oberfläche, wie Syrtis Major oder Sinus Meridiani.

Weil Mars um etwa 40 Minuten langsamer rotiert als die Erde, bleibt der Anblick mehrere Tage lang ähnlich - wenn man stets zur gleichen Uhrzeit beobachtet. Es dauert dann etwa fünf Wochen, bis man die gesamte Oberfläche geschaut hat.

Können Sie die Färbung des Mars mit freiem Auge erkennen, während er jetzt durch das Sternbild Krebs zieht ? Funkelt er, mit freiem Auge betracht, deutlich weniger als Sirius und andere helle Fixsterne ? Machen Sie im Teleskop Oberflächenerscheinungen aus ? Ist die Polkappe sichtbar ?

 

Folgenreiche Erkenntnisse

Mein Buch Helden des Himmels geht sehr ausführlich auf die philosophischen und religiösen Implikationen der Arbeiten Keplers und Galileis ein.

Ich lege es Ihnen ganz besonders ans Herz.